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Datum:
08.04.2026

Kein Foodwaste trotz kompromissloser Qualität

Über den Coop-Hub Novazzano werden jährlich 54’000 Tonnen Obst und Gemüse vom Feld zu den Coop-Verkaufsstellen transportiert und hunderte Tonnen überschüssige Lebensmittel an Tischlein deck dich gespendet. Eine Reportage aus dem neuen Coop-Hub in Novazzano.

Vom Fenster des Besprechungsraums aus blickt man auf ein Meer von Paletten voller Orangen. Im Inneren herrscht eine warme und ruhige Atmosphäre; direkt hinter der Scheibe hingegen, im Lager, sinkt die Temperatur auf 6 Grad und es herrscht ein ununterbrochenes Kommen und Gehen von Gabelstaplern, die in einer perfekt organisierten Hektik hin und her fahren. Wir befinden uns in der Importplattform Süd von Coop in Novazzano (TI). Nur wenige Meter entfernt verläuft die Eisenbahnlinie: Eine strategisch günstige Lage, die durch die Nähe zu Italien noch verstärkt wird und diesen 5500 Quadratmeter grossen Logistik-Hub zu einem wichtigen Knotenpunkt für die Versorgung mit Obst und Gemüse macht.

Jeden Tag kommen hier Produkte aus Italien und Spanien per Lkw an, wobei das Sortiment je nach Saison zwischen 60 und 120 Artikeln variiert. Von hier aus werden mehrere regionale Verteilzentren beliefert. Die neue Plattform, welche seit 2025 in Betrieb ist, verarbeitet jährlich rund 54’000 Tonnen Lebensmittel. Ein beeindruckender Warenfluss, der nach klaren Kriterien verwaltet wird: Die Qualitätskontrollen sind streng, und die Lebensmittel von ausgezeichneter Qualität. Die Produkte, die jedoch nicht den hohen Standards von Coop entsprechen, werden an Tischlein deck dich weitergegeben.

Jahrelang wurde dieses System von einem externen Betreiber verwaltet. Dies änderte sich letztes Jahr: «Coop hat beschlossen, zu investieren, um den gesamten Prozess – vom Feld bis zur Verkaufsstelle – zu internalisieren. Dieser Prozess ist nun ganz den eigenen Mitarbeitenden anvertraut und die Einhaltung der Unternehmensstandards sind besser gewährleistet», erklärt Pino Manfreda, Leiter der Plattform, der seit 30 Jahren für Coop arbeitet. «Die Einrichtung dieses Hubs war eine Herausforderung, aber heute haben wir einen guten Rhythmus gefunden.»

Die Effizienz zeigt sich bereits am Eingang: Nur wenige Schritte vom Wareneingang entfernt werden die Lieferdokumente, einschliesslich der Zollabfertigung, bearbeitet. «Jeden Tag kommen durchschnittlich etwa zwanzig Lkws an», erzählt Manfreda. Nach einer sorgfältigen Überprüfung der Lebensmittel werden die Container zum nahegelegenen RailCare-Hub in Balerna transportiert, um von dort aus per Bahn in die anderen Regionen der Schweiz weiterbefördert zu werden. «Coop hat in einen eigenen Zug investiert, mit dem bis zu 80 % der Waren transportiert werden können.» Für die restlichen Lieferungen werden Elektro-Lkws eingesetzt. Die kritischste Variable in diesem Ablauf ist die Zeit. Die leicht verderblichen Produkte müssen innerhalb weniger Stunden transportiert werden. Ankünfte und Bestellungen konzentrieren sich auf den Vormittag, bis 11 Uhr. Der Zug zu den grossen Coop-Verteilzentralen Schafisheim, Bern und Aclens fährt kurz nach Mittag ab. Die letzte Lieferung sollte Novazzano bis zum Nachmittag verlassen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, der keine Verzögerungen zulässt. «Produkte, die nicht am selben Tag ausgeliefert werden können, werden vorübergehend in Kühlräumen gelagert, die für jede Produktart vorgesehen und auf bestimmte Temperaturen eingestellt sind», erläutert Manfreda.

Die Qualitätsabteilung, die sich neben dem Wareneingangsbereich befindet, sorgt dafür, dass nur konforme Produkte ihre Reise fortsetzen. Hier werden sorgfältige Kontrollen durchgeführt. «Bei Orangen überprüfen wir beispielsweise nicht nur die Herkunft, sondern auch den Reifegrad, das Gewicht, den Zuckergehalt, die Temperatur und ihre Grösse», erklärt Qualitätsmanager Marco Mezzina, während er die verschiedenen Schritte der Labor-Analyse zeigt. Lebensmittel, die den Kriterien hinsichtlich Qualität, Rückverfolgbarkeit oder Verpackung nicht entsprechen, werden nicht versandt: «Monatlich betrifft dies etwa 1 bis 3 % der Produkte.»

Hier kommt die Zusammenarbeit mit Tischlein deck dich ins Spiel, welche für die Reduzierung von Lebensmittelabfällen von entscheidender Bedeutung ist. «Dank dieser Zusammenarbeit werden Waren, die für Coop nicht verkaufsfähig sind, dennoch in Umlauf gebracht und an Menschen in Not verteilt», erklärt Manfreda. «Ich arbeite seit vielen Jahren mit Tavolino Magico zusammen: Die Organisation liegt mir am Herzen und ich bewundere ihre Seriosität.» «Im Jahr 2025 sind rund 100 Tonnen wertvolle Lebensmittel zu uns gekommen», bestätigt Jerry Graci, stellvertretender Logistikleiter vom Tischlein deck dich-Logistikstandort in Cadenazzo. «Die Zusammenarbeit funktioniert bisher sehr gut: Die Spenden sind regelmässig und umfangreich. 80 bis 90 % der Produkte werden zu unseren sechs Logistikstandorten in der West- und Deutschschweiz geliefert. Bis zu 20 % der gespendeten Lebensmittel können wir direkt von Cadenazzo aus an Armutsbetroffene im Tessin bringen.» SC